Onlineversion des Themenheftes Der WählerInnenwille

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Die Unterrichtsbeispiele - von LehrerInnen erarbeitet und erprobt - folgen einer einheitlichen Struktur: Die Kategorien Alterstufe, Lehrplanbezug und Unterrichtsziele erlauben die schnelle Verortung des Unterrichtsbeispiels. Methodisch-didaktische Vorbemerkungen geben Hinweise auf die Umsetzung im Unterricht. Die Einstiegsmöglichkeiten ins Thema (E) sowie die Arbeitsaufgaben (A) und die Materialien und Arbeitsblätter für die SchülerInnen lassen sich als PDF-Dateien einfach downloaden.

BASISARTIKEL
Aus der THEORIE FÜR DIE PRAXIS
Für den UNTERRICHT
UNTERRICHTSBEISPIEL: Was bringt das Wählen mit 16?
Schulstufe

8. - 9. Schulstufe

Lehrplanbezug

Eine dezidierte Angabe von konkreten Lehrplanbezügen bestimmter Unterrichtsfächer entfällt bei diesem Beitrag bewusst. Da eine eingehende Auseinandersetzung mit dem Komplex „Wählen mit 16“ in erster Linie in den Schuljahren vor Erreichen dieses Wahlalters Sinn macht, empfehlen sich dafür in besonderer Weise die 6. bis 9. Schulstufe.

Im Sinne des Grundsatzerlasses für Politische Bildung wäre eine Implementierung von Unterrichtssequenzen zum Thema Wählen mit 16 u.a. in Deutsch, Geschichte und Sozialkunde, Geographie und Wirtschaftskunde etc. naheliegend.

Lernziele
  • Die SchülerInnen sollen reflektieren, wie ausgeprägt ihr bisheriges Interesse an Politik sowie ihre Absicht, mit 16 vom Wahlrecht Gebrauch zu machen, ist. Dabei soll auch hinterfragt werden, woher diese Einstellungen kommen und welche Maßnahmen diese Einstellungen verändern könnten.

  • Die SchülerInnen sollen erkennen, dass sie in vielfältigen Lebensbereichen direkt und ständig von politischen Entscheidungen betroffen sind. Das Wählen soll dabei als Möglichkeit und Chance der Mitbestimmung und Mitgestaltung der eigenen Lebenswelt begriffen werden.

  • Die Vorteile und Konsequenzen des Wahlrechtes für Jugendliche sollen gesammelt und durchdacht werden. Es sollen Argumente und Gründe gefunden werden, warum das Wählen mit 16 Sinn macht. Wie sollten dabei die Rahmenbedingungen verändert werden?

  • Die Konsequenzen, wenn das Wahlrecht nicht genutzt wird und WählerInnen nur mangelhaft politisch informiert sind, sollen aufgezeigt werden.

  • Auf der Basis der Reflexion der Vorteile des Wählens mit 16 sowie der Konsequenzen des Wählens sowie Nichtwählens sollen die SchülerInnen eine eigene Position zu diesen Fragestellungen formulieren können.

Methodisch-didaktische Vorbemerkungen für LehrerInnen

Die Debatte um eine Herabsetzung des Wahlalters auf 16 Jahre ist in den letzten Jahren vor allem als Debatte von Erwachsen über Jugendliche mit wechselnder Intensität und Emotionalität geführt worden.

SchülerInnen im Kontext Politik und Wählen dort abzuholen, wo sie stehen, bedeutet zunächst einmal, nach ihren Assoziationen zu fragen, ihre momentanen Einstellungen abzurufen und sichtbar zu machen (E1, E2). Dies schafft Gesprächsanlässe, gibt die Möglichkeit, unterschiedliche Sichtweise darstellen zu lassen und zu überdenken. In weiterer Folge gilt es, Kinder und Jugendliche entdecken zu lassen, welche Lebensbereiche politisch mitbestimmt, geformt und geregelt sind. So könnten die wichtigen Aufgaben einer politischen Aushandlung von Entscheidungen, der Interessensausgleich in der Politik sowie die Bedeutung des Korrektives der Wahlen besser erfasst werden.

Die hier angebotenen Arbeitsaufträge und Materialien zielen weniger auf eine fundierte „Wahlkunde“ bzw. nicht auf altersadäquat aufbereitete Informationen zum politischen System in Österreich. Vielmehr sollen die eigenen Einstellungen, Meinungen und (Vor-)Urteile zum Thema bearbeitet werden, um somit eine Basis für die Motivation und Bereitschaft zur weiteren, tiefer gehenden inhaltlichen Auseinandersetzung mit diesen Themenbereichen zu schaffen. Erst, wenn Politik (zumindest in Ansätzen) für die einzelne Schülerin/den einzelnen Schüler zum persönlichen Anliegen wird, kann Politische Bildung nachhaltig sein.
Eine weitere sehr erfahrungsnahe Anknüpfung an die Thematik bietet sich im schulischen Umfeld durch die Schulpartnerschaft, die Schuldemokratie sowie durch die aktive Einbindung von SchülerInnen in Aushandlungs- und Entscheidungsprozesse. Hier können Einstellungen das politische Engagement betreffend durch aktives Handeln entwickelt werden. Didaktisch aufbereitete Vorschläge für Unterrichtssequenzen gibt es hier.

(Vor dem Hintergrund des Einsatzes der Arbeitsaufträge und Materialien in der Sekundarstufe I wurde die ansonsten in den Informationen zur Politischen Bildung übliche Ansprache mit „Sie“ durch die persönlichere und altersadäquatere Ansprache mit „du“ ersetzt.)

Einstiegsmöglichkeiten ins Thema

E1 Einzelarbeit: Was fällt mir zu Politik ein?
E2 Einzelarbeit: Wahlfreiheit: Wie wichtig ist mir Politik, wie wichtig ist mir das Wählen?

Arbeitsaufgaben

A1 Einzelarbeit/Diskussion: Was hat Politik mit mir/mit meinem Leben zu tun?
A2 Gruppenarbeit: Wahllos: Was passiert ohne Politik?
A3 Gruppenarbeit/Präsentation: Qual der Wahl? Was passiert, wenn Politik ohne mich stattfindet?
A4 Einzelarbeit: Wahlentscheidend: Welche Möglichkeiten habe ich, Politik mitzugestalten?
A5 Einzelarbeit: Wahlgeschenk: Welche Folgen hat das Wählen mit 16?
A6 Einzelarbeit: Offene Fragen: Darüber möchte ich mehr erfahren!

UNTERRICHTSBEISPIEL: Wie bilde ich mir meinen WählerInnenwillen?
Schulstufe

8. - 12. Schulstufe

Lehrplanbezug
Unterrichtsprinzip Politische Bildung

5. bis 8. Klasse AHS, Deutsch:

  • Gesellschaftliche Auswirkungen der Medien erkennen und ihre lebensgeschichtlichen Funktionen reflektieren

  • Interessen und Absichten hinter (multi-)medialen Texten und Produktionen analysieren und bewerten sowie manipulative Zielsetzungen erkennen

4. Klasse Hauptschule bzw. AHS-Unterstufe, Geschichte und Sozialkunde/Politische Bildung

  • Österreich – die Zweite Republik: Politisches System /…/ Möglichkeiten politischer Mitbestimmung und Mitverantwortung

Bildungs- und Lehraufgabe Hauptschule bzw. AHS-Unterstufe, Geographie und Wirtschaftskunde
  • Einblick in unterschiedliche Wirtschafts- und Gesellschaftssysteme gewinnen, um sich mit aktuellen und zukünftigen politischen Fragen auseinanderzusetzen sowie demokratisch und tolerant handeln zu können.

Bildungs- und Lehraufgabe AHS-Oberstufe, Geschichte und Sozialkunde/Politische Bildung
  • Es soll Interesse an Politik und Politischer Bildung geweckt und die Identifikation mit grundlegenden Werten der Demokratie, der Menschenrechte und des Rechtsstaates sichergestellt werden

7. Kl. AHS, Geschichte und Sozialkunde/Politische Bildung

  • Politisches Alltagsverständnis – die verschiedenen Ebenen von Politik, Formen und Grundwerte der Demokratie und der Menschenrechte, Motivationen und Möglichkeiten politischer Beteiligungs-, Entscheidungs- und Konfliktlösungsprozesse

8. Kl. AHS, Geschichte und Sozialkunde/Politische Bildung

  • Das Politische und rechtliche System Österreichs und der Europäischen Union

  • Rolle der Medien zwischen Politik, Wirtschaft, Kultur und Gesellschaft

Lernziele
  • Die Glaubwürdigkeit von Institutionen, Personen des öffentlichen Lebens, Politik und PolitikerInnen beurteilen und vergleichen, mögliche Ursachen für diese Bewertung identifizieren sowie daraus resultierende Folgen abschätzen

  • Authentische Informationen über Zwänge des politischen Alltags ermitteln und diese in Beziehung zum Image von PolitikerInnen in der Öffentlichkeit setzen und bewerten

  • Das Wahlverhalten der Eltern und Großeltern analysieren, mögliche Widersprüche aufdecken und die eigene Position im Kontrast dazu formulieren

  • Ermitteln der beeinflussenden Faktoren in Bezug auf den eigenen WählerInnenwillen sowie mögliche eigene, andere Personen beeinflussende Handlungen bewusst machen

  • Möglichkeiten und Grenzen einer Emanzipation von Fremdbeeinflussung im Hinblick auf einen selbstbestimmen politischen Willensbildungsprozess erkennen

  • Typische Zusammenhänge zwischen formaler schulischer Bildung und Wahlverhalten erfassen und erklärende Hypothesen formulieren

  • Individuell und strukturell begründete Überforderungen bei der Befassung mit politischen Themen sowie deren Auswirkungen auf Restriktionen hinsichtlich einer reflektierten Willensbildung identifizieren und mögliche Lösungsvorschläge aufzeigen

  • Massenmedien als traditionell wichtigste Informationsquelle für politische Themen erkennen, ihren Einfluss auf die eigene Willensbildung reflektieren und die damit verbundenen Probleme aufdecken

  • Kritik an eingeübten Wahlroutinen verstehen und mögliche Konsequenzen für den eigenen WählerInnenwillen und dessen Genese ableiten

Methodisch-didaktische Vorbemerkungen für LehrerInnen

Die im Paket zur Wahlrechtsreform beschlossene Senkung des Wahlalters auf 16 Jahre verlangt auch von der Politischen Bildung Antworten. Einige Angebote zur Thematisierung des damit verbundenen Aspektes der politischen Willensbildung sollen nachstehende Einstiege, Arbeitsaufgaben und Materialien liefern. Wenngleich der Prozess der Willensbildung bei den auf verschiedenen Ebenen stattfindenden Wahlen ähnliche Fragen aufwirft, zeigen sich bei Nationalratswahlen spezifische Probleme. Hier wären insbesondere die größere soziale und räumliche Distanz zwischen WählerInnen und PolitikerInnen und eine steigende Komplexität der politischen Inhalte zu nennen. Um diese Merkmale berücksichtigen zu können, fokussieren die Arbeitsaufgaben auf den Willensbildungsprozess auf Nationalratswahlebene.

Weil Politik und die AkteurInnen dieses Systems bei Jugendlichen in der Regel jedoch eine subjektiv durchaus sinnvoll begründbare Ablehnung erfahren, soll zum Einstieg die Glaubwürdigkeitsfrage andiskutiert werden. Wird diese Problematik nicht zu Beginn der eigentlich auf den WählerInnenwillen bezogenen Lernprozesse thematisiert, läuft der Unterricht an den SchülerInnen vorbei. Wen interessiert es schon, sich differenziert mit der Willensbildung bezüglich eines Phänomenbereiches zu beschäftigen, wenn der Phänomenbereich an sich schlichtweg ablehnungswürdig erscheint?

Die nachfolgenden Arbeitsaufgaben bilden vielfache Möglichkeiten an, um mit dem Thema WählerInnenwillensbildung und den damit im Zusammenhang stehenden Faktoren möglichst authentische Erfahrungen zu machen. Es soll keinesfalls ein idealtypischer Weg zu einer reflektierten, möglichst autonomen Willensbildung vorgegeben werden. Vielmehr geht es um Bewusstmachung struktureller und personeller Einflüsse und deren Kritik.

Einstiegsmöglichkeiten ins Thema

E1 Einzelarbeit/Diskussion: Wem kann man vertrauen?
E2 Diskussion: Politik zum Anziehen

Arbeitsaufgaben

A1 Einzelarbeit/Interview: Youth meets Politicians
A2 Einzelarbeit/Interview: Wie wählen die Erwachsenen? Eine Befragung der Eltern und Großeltern
A3 Brainstorming/Diskussion: Wer beeinflusst mich und wer wird durch mich beeinflusst?
A4 Partnerarbeit/Diskussion: Wahlplauderei
A5 Gruppenarbeit/Diskussion: Beeinflusst die Schule meinen WählerInnenwillen?
A6 Einzelarbeit/Interview: Geography matters!
A7 Gruppenarbeit/Wandzeitung: Hab’ ich den Durchblick?
A8 Einzelarbeit: Die Mühe der Information
A9 Partnerarbeit/Rollenspiel: Auch die WählerInnen werden kritisiert…
A10 Einzelarbeit: Wahlhilfen im Internet: www.politikkabine.at und www.wahlkabine.at

UNTERRICHTSBEISPIEL: Was wollen Wählerinnen?
Schulstufe

8. - 12. Schulstufe

Lehrplanbezug

Stoff der 4. Klasse Hauptschule bzw. AHS-Unterstufe, im Sinne des Erlasses für Politische Bildung in allen Klassen der Oberstufe einsetzbar

Lernziele
  • SchülerInnen erfassen, auf welche Weise Frauen ein bestimmter Wählerwille zugeschrieben wurde und welche Folgen dies für die politische Debatte rund um das Frauenwahlrecht hatte

  • Die SchülerInnen erkennen, mit welchen Mitteln Wahlplakate Einfluss auf WählerInnen nahmen bzw. nehmen

  • Die SchülerInnen rekonstruieren Geschichte aus Text- und Bildquellen

  • Die SchülerInnen stellen Gegenwartsbezüge her

Methodisch-didaktische Vorbemerkungen für LehrerInnen

Zu Arbeitsvorschlag 1:
Das Material (M1) stammt aus einer Rede Ignaz Seipels zum Frauenwahlrecht aus dem Jahr 1917. Im zweiten Material (M2) fasst eine Historikerin Argumente der BefürworterInnen des Frauenwahlrechts zusammen. Die SchülerInnen sollen nun Argumente für das Frauenwahlrecht sammeln und sich überlegen, wie die Rede einer Befürworterin/eines Befürworters gelautet haben könnte. Dieser Vorschlag eignet sich für SchülerInnen ab der 10. Schulstufe.

Zu Arbeitsvorschlag 2:
Diese Darstellung stammt aus einer wissenschaftlichen Abhandlung zur Entwicklung des Frauenwahlrechts in Österreich. Die SchülerInnen sollen dem Text Informationen entnehmen, die sie im folgenden Rollenspiel – einer Diskussionsrunde – anwenden können. Um sicherzustellen, dass möglichst unterschiedliche Meinungen vertreten werden, sollte gemeinsam mit den SchülerInnen eine grobe Zuteilung erfolgen. Um eine Diskussion auf möglichst hohem Niveau zu ermöglichen, sollten die SchülerInnen Vorbereitungszeit erhalten, um in Kleingruppen Argumente zu sammeln. Dieser Vorschlag eignet sich für SchülerInnen ab der 10. Schulstufe.

Zu Arbeitsvorschlag 3:
Die SchülerInnen sollen zeitgenössische Wahlplakate zunächst in Partnerarbeit und anschließend in einer Klassendiskussion mit Hilfe von Arbeitsfragen dekonstruieren. Dieser Vorschlag eignet sich (mit Unterstützung durch die Lehrperson) für SchülerInnen ab der 8. Schulstufe.

Arbeitsvorschlag 4 stellt Gegenwartsbezüge her.

Arbeitsaufgaben

A1 Diskussion: Historische Argumente zum Frauenwahlrecht
A2 Rollenspiel/Diskussion: Debatte für/gegen Frauenwahlrecht
A3 Einzelarbeit/Diskussion: Umworbene Frauen
A4 Einzelarbeit: Das Frauenbild auf Wahlplakaten

UNTERRICHTSBEISPIEL: Der NichtwählerInnenwille
Schulstufe

11. Schulstufe

Lehrplanbezug
Bildungs- und Lehraufgabe AHS-Oberstufe, Geschichte und Sozialkunde/Politische Bildung
  • Es soll Interesse an Politik und Politischer Bildung geweckt und die Identifikation mit grundlegenden Werten der Demokratie, der Menschenrechte und des Rechtsstaates sichergestellt werden.

7. Kl. AHS, Geschichte und Sozialkunde/Politische Bildung

  • Politisches Alltagsverständnis – die verschiedenen Ebenen von Politik, Formen und Grundwerte der Demokratie und der Menschenrechte, Motivationen und Möglichkeiten politischer Beteiligungs-, Entscheidungs- und Konfliktlösungsprozesse

Lernziele
  • Die SchülerInnen sollen das Phänomen der zurückgehenden Wahlbeteiligung anhand von Tabellen beschreiben und mögliche Ursachen nennen können

  • Sie sollen Motive von NichtwählerInnen kennenlernen und Erklärungsversuche vornehmen können

  • Sie sollen zu einem eigenen Urteil gelangen, ob und wie sehr die Nichtbeteiligung an Wahlen dem demokratischen System schadet

Methodisch-didaktische Vorbemerkungen für LehrerInnen

Nach jeder Wahl wird mit Bangen auf die Anzahl der NichtwählerInnen geblickt: Sind sie wieder mehr geworden? Ist unsere Demokratie in Gefahr, wenn das so weitergeht? Und nach den Schrecksekunden: Was können wir tun, um das nächste Mal wieder mehr WählerInnen zu mobilisieren? Auch wenn man sich da gelassen zurücklehnt und die sinkende Wahlbeteiligung nicht als alarmierendes Krisenzeichen, sondern als einen Weg zu „normalen“ Verhältnissen in einer funktionierenden Demokratie sieht:1 Einigkeit herrscht darüber, dass die „Politikverdrossenheit“ bzw. „Politikerverdrossenheit” über kurz oder lang dem Parlamentarismus schadet.2 Dadurch ist auch Politische Bildung gefordert, sich mit dem Problem auseinanderzusetzen.

Politische Bildung soll einerseits ein Bewusstsein dafür schaffen, dass Demokratie als Form nur dann sinnvoll ist, „wenn aktiver Gebrauch von bestimmten politischen Freiheitsrechten gemacht wird“3, und das bedeutet auch: wenn es verantwortungsvolle WählerInnen gibt. Daher ist es auch notwendig, sich im Klassenverband ernsthaft mit Sympathien fürs Nichtwählen-Wollen auseinanderzusetzen. Allerdings ist eine solche Position der Reflexion zugänglich zu machen, die SchülerInnen sollen Gründe und Gegengründe finden, sodass sie am Ende der Lerneinheit zu einem bewussteren Urteil und dann auch Verhalten gelangen können.

1 In einem Aufsatzband 1992 veröffentlichte gegensätzliche Positionen von Dieter Roth und Ursula Feist referiert. Werner T. Bauer: Wenn die Wähler weniger werden. Überlegungen zum Problem der sinkenden Wahlbeteiligung. Wien 2004, S. 5 (http://www.politikberatung.or.at/wwwa/documents/wahlbeteiligung.pdf). Ausschnitte aus diesen beiden Arbeiten, für SchülerInnen aufbereitet, findet man im Netz unter http://www.bpb.de/popup/popup_grafstat.html?url_guid=YGCE87M;
2 siehe: Bauer, Wenn die Wähler, S. 11;
3 Vgl. BMBWK: Demokratie-Lernen in Europa. Wien 2005,S. 11. Diesen Bericht über das Projekt „Eduction for Democratic Citizenship“ findet man auch unter http://www.coe.int/edc in der Rubrik "Ressources" unter "Documents and publications" via "Documents ordered by language"

Einstiegsmöglichkeiten ins Thema

E1 Einzelarbeit/Diskussion: Warum wählen? Das bringt doch nichts!

Arbeitsaufgaben

A1 Einzelarbeit/Unterrichtsgespräch: Immer weniger WählerInnen, immer mehr NichtwählerInnen?
A2 Gruppenarbeit/Folie erarbeiten: Warum nicht zur Wahl gehen?
A3 Präsentation/Diskussion: NichtwählerInnenmotive unter der Lupe
A4 Gruppenarbeit: Chancen und Risken verschiedener Wahlsysteme
A5 Kampagnenarbeit mit Plakaten: So schwer ist es doch auch wieder nicht!

Vollständige Printausgabe als PDF